Künstliche Intelligenz

Bildgebung bei Alzheimer

Um Alzheimer frühzeitig behandeln zu können, muss die Krankheit rechtzeitig erkannt werden. Doch das ist nach wie vor eine Herausforderung: Es gilt, Variationen in der Bildgebung zu reduzieren, die Bildqualität zu verbessern und die Auswertung zu optimieren. Künstliche Intelligenz beschleunigt die Diagnose nun erheblich, sodass die Behandlung früher beginnen kann.
5min
Nadine Meru und Felix Eisenhut
Veröffentlicht am 27. Februar 2026

In unserer alternden Bevölkerung wird es voraussichtlich immer mehr Alzheimerfälle geben. Für die Behandlung gibt es vielversprechende neue Ansätze, entscheidend ist aber eine frühe und genaue Diagnose. Hoffnung für Patient*innen und Angehörige bieten krankheitsmodifizierende Therapien (DMTs)1, welche die Nachfrage nach bildgebenden und biomarkerbasierten Diagnosen weiter steigen lassen. Unsere Gesundheitssysteme leiden ohnehin bereits unter massivem Personalmangel und Patient*innen warten oft monatelang auf einen Facharzttermin. Moderne digitale und KI-basierte Systeme können Früherkennung und Versorgung zwar erleichtern, befinden sich aber häufig noch in der Entwicklung. Es wird noch dauern, bis sie umgesetzt und angenommen werden und das Personal im Umgang damit geschult ist.

Eine zuverlässige Alzheimer-Diagnose erfordert einen multimodalen Ansatz aus neuropsychologischen Untersuchungen, blutbasierten Biomarkern sowie struktureller und funktioneller Bildgebung. Ein struktureller MRT-Scan des Gehirns ist ein bewährter Eckpfeiler der Demenzdiagnostik. Mit MRT lassen sich Differentialdiagnosen stellen (zum Beispiel, indem ein Hirntumor ausgeschlossen wird), charakteristische Atrophiemuster erkennen und vaskuläre Komorbiditäten, Hyperintensitäten der weißen Substanz, Mikroblutungen und Ödeme beurteilen [1]. Für eine schnellere Diagnose und einen zeitnahen Behandlungsbeginn ist präzise MR-Bildgebung unerlässlich.

In der T2-MR-Bildgebung erscheinen Wasser und Liquor aufgrund ihrer hohen Signalintensität als helle Bereiche.

Wenn MRT in der klinischen Routine nicht das gewünschte Ergebnis liefert, liegt das nur selten an technischen Problemen, sondern eher an Variabilitäten in den Bildgebungsprotokollen, langen Aufnahmezeiten, Bewegungsartefakten, uneinheitlicher Bildqualität und zeitaufwändiger Auswertung. Weitere Herausforderungen sind subtile strukturelle Veränderungen im Frühstadium der Alzheimer-Krankheit, beschränkte Aussagekraft wegen der oft gemischten Demenzpathologien, Abweichungen zwischen Befundenden bei der visuellen Beurteilung von Atrophien sowie fehlende Standardisierung [2].

Zur Bestätigung einer Alzheimer-Diagnose wird immer noch häufig eine Lumbalpunktion durchgeführt. Das Verfahren ist zwar aufschlussreich, aber invasiv, für die Patient*innen unangenehm und es geht mit einem Infektionsrisiko einher. Als nichtinvasive Alternative liefert die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) wertvolle diagnostische Informationen. Den breiten Einsatz von PET-Bildgebung erschweren jedoch die begrenzte Verfügbarkeit und entsprechend langen Wartezeiten, hohe Kosten, zeitaufwändige Untersuchungen und das Fachwissen, das zur Interpretation nötig ist. Zusammengenommen behindern diese Faktoren den breiten Einsatz von PET-Bildgebung zur Früherkennung von Alzheimer-Krankheit erheblich [3].

Diese Hindernisse gilt es zu überwinden, um die Vorteile der modernen MRT- und PET-Bildgebung in die breite klinische Praxis zu übertragen.


Andre Hartung

Moderne KI-gestützte Tools können große Bilddatensätze schnell analysieren, was die Befundungszeit verkürzt und eine sichere und zeitnahe Diagnose ermöglicht. KI verringert Variabilität und ermöglicht eine objektive Quantifizierung. So verbessert sie die diagnostische Konsistenz über verschiedene Standorte und Befundende hinweg – eine wesentliche Voraussetzung für die klinische Routineversorgung.

Mit KI-gestützter Bildgebung lässt sich ein kompletter MRT-Scan des Gehirns mit fünf verschiedenen Sequenzen in unter zwei Minuten durchführen:

Über die Diagnose hinaus unterstützt eine nuancierte KI Kliniker*innen auch bei der Behandlungswahl, indem sie erkennt, welche Patient*innen am ehesten von krankheitsmodifizierenden Therapien profitieren würden. Fortschrittliche Klassifizierungs- und Quantifizierungsmodelle helfen bei der Stratifizierung von Patient*innen, bieten eine Entscheidungshilfe für personalisierte Behandlungen und optimieren letztlich die klinischen Ergebnisse.

Krankheitsmodifizierende Therapien erfordern mindestens fünf MRT-Nachuntersuchungen im Laufe eines Jahres. Das Fortschreiten der Krankheit wird überwacht, indem das Hirnvolumen auf den Folge-Scans mit dem ursprünglichen Scan verglichen wird. Für Radiolog*innen bedeutet dies eine erhöhte Arbeitsbelastung. Auch die Auswertung kann schwierig sein.

Die Integration von KI in die moderne MRT- und PET-Bildgebung bietet daher erhebliche Chancen. Doch gibt es auch weiterhin Herausforderungen, wie hohe Implementierungskosten, das erforderliche Fachwissen und die Standardisierung von Bildgebungsprotokollen und Diagnoseplattformen über verschiedene Einrichtungen hinweg. Darüber hinaus haben KI und Deep Learning trotz ihres Potenzials auch technische und methodische Grenzen, wie etwa die hohe Dimensionalität moderner Bildgebungsdaten, die begrenzte Verfügbarkeit großer und gut kommentierter Trainingsdatensätze und die erhebliche Variabilität sowohl zwischen verschiedenen Patient*innen als auch bei ein und derselben Person. Um das Potenzial der KI-gestützten Bildgebung in der Alzheimer-Diagnostik voll auszuschöpfen, gilt es, diese Herausforderungen zu bewältigen.

KI kann den Diagnoseprozess beschleunigen. Sie unterstützt Ärzt*innen bei der Erörterung von Differentialdiagnosen und bei der Unterscheidung zwischen Alzheimer von anderen Formen von Demenz sowie anderen Erkrankungen. Alzheimer-Patient*innen, die mit krankheitsmodifizierenden Therapien behandelt werden, können sich nach einem Jahr einem Amyloid-PET-Scan unterziehen. Dabei wird die Amyloid-Plaque-Belastung im Gehirn und somit die Wirkung der Therapie beurteilt.

Dieses Szenario zeigt, wie verbesserte Qualität und Genauigkeit in der diagnostischen Bildgebung mehr Zeit für die Interaktion mit den Patient*innen schafft:

Mit digitalen Lösungen lässt sich Amyloid-PET-Bildgebung effizient und standardisiert auswerten und die Alzheimer-Diagnose ohne invasive Verfahren bestätigen. Beta-Amyloid-Plaques und Tau-Pathologie werden mit modernen Nachbearbeitungsmethoden zuverlässig erkannt und quantifiziert. Dies sorgt für eine konsistente Bildinterpretation und Beurteilung der pathologischen Belastung.

Die automatische Berechnung des Centiloid-Scores unterstützt die klinische Entscheidungsfindung auf objektive und reproduzierbare Weise. Diese standardisierte Quantifizierung erhöht die Diagnosesicherheit und unterstützt Ärzt*innen bei der Auswahl von Betroffenen, die am ehesten von krankheitsmodifizierenden Therapien profitieren würden.

A typical amyloid PET scan of a patient with Alzheimer’s disease: The red areas are the affected regions in the brain.

Die neuen krankheitsmodifizierenden Alzheimer-Therapien erfordern mindestens fünf MRT-Nachuntersuchungen über zwölf Monate. KI kann das Auslesen und die Befundung dieser Untersuchungen unterstützen und so Radiolog*innen entlasten. Ein Beispiel dafür ist eine volumetrische Langzeitanalyse des Gehirns, bei der mehr als 40 verschiedene Gehirnstrukturen automatisch segmentiert und bewertet werden. Beim Vergleich der Ergebnisse mit einer normativen Datenbank werden diejenigen Hirnareale hervorgehoben, die von denen gesunder Gleichaltriger abweichen. Es wird automatisch ein quantitativer Bericht erstellt.

Bei der KI-gestützten Analyse von MRT-Folge-Scans lassen sich subtile Veränderungen im Zusammenhang mit Amyloid-bedingten Bildgebungsanomalien (ARIAs) erkennen und interpretieren. ARIAs sind Veränderungen im Gehirn, die als Nebenwirkungen krankheitsmodifizierender Therapien auftreten können. Davon gibt zwei Haupttypen: Bei ARIA-H handelt es sich um Mikroblutungen oder Hämosiderose; bei ARIA-E um Ödeme oder Ergüsse. Patient*innen müssen unbedingt per MRT auf diese Nebenwirkungen überwacht werden, da ARIAs beeinflussen können, ob die Therapie fortgesetzt werden kann oder unterbrochen oder ganz abgesetzt werden muss. Mithilfe von KI können Kliniker*innen die Therapie rechtzeitig anpassen, damit die Patient*innen die sicherste und effektivste Versorgung erhalten.

MR images of amyloid-related imaging abnormalities (ARIA-H and ARIA-E), which are potential adverse side effects of the new disease-modifying therapies in Alzheimer’s disease.

Durch KI-gestützte MRT lassen sich zerebrale Mikroblutungen erkennen, was eine bessere standardisierte und zuverlässige Überwachung ermöglicht. Fehler werden reduziert und Wiederholungs-Scans vermieden. Es bleibt mehr Zeit für das Wesentliche – für die Erkrankten.

Identifying cerebral microbleeds with the help of AI (prototype)

Die Integration von KI in die Alzheimer-Diagnostik ist ein entscheidender Schritt hin zu einer effizienteren und präziseren Versorgung, bei der die Patient*innen im Mittelpunkt stehen. KI löst langjährige Herausforderungen bei der MR-Erfassung, Bildqualität und Workflow-Standardisierung. Damit beschleunigt sie nicht nur den Diagnoseprozess, sondern erhöht auch die Diagnosesicherheit und ermöglicht eine individualisierte Therapieüberwachung. Im Zuge ihrer Weiterentwicklung werden KI-Technologien das Klinikpersonal weiter unterstützen – indem sie Routineaufgaben rationalisieren, komplexe Entscheidungsprozesse unterstützen und letztlich die Ergebnisse für Erkrankte und ihre Angehörigen verbessern. Diese Innovationen prägen die Zukunft der Alzheimer-Versorgung und ebnen den Weg für frühere Erkennung, besseres Therapiemanagement und höhere Lebensqualität.


Von Nadine Meru und Felix Eisenhut
Dr. Nadine Meru hat in Biologie promoviert und arbeitet als Redakteurin bei Siemens Healthineers. Sie ist spezialisiert auf innovative Technologien, Digitalisierung und eHealth-Lösungen sowie Fachkräftemangel.

Dr. med. Felix Eisenhut ist Facharzt für Radiologie und war im Neuroradiologischen Institut im Universitätsklinikum Erlangen tätig. Heute ist er strategischer Marketingmanager für Neurologie bei Siemens Healthineers.