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Brückenbauer zwischen Mensch und Medizintechnik

UX-Designer Timo Röhrig denkt klinische Workflows neu und entwickelt intuitive digitale Lösungen, die den Alltag in der Klinik erleichtern – und so mehr Raum für das Wesentliche schaffen.
4 minutesmin
Rebecca Murr
Veröffentlicht am 27. März 2026
Im Klinikalltag zählt jede Sekunde – und Technologie kann den Unterschied machen. Doch ihren Wert entfaltet sie nur, wenn sie für die Menschen funktioniert, die täglich mit ihr arbeiten. Genau hier setzt UX (User Experience) Designer Timo Röhrig an: Gemeinsam mit interdisziplinären Teams und klinischem Personal gestaltet er digitale Lösungen, die den Klinikalltag spürbar entlasten können.

Schon während seines Studiums in Produktgestaltung und Design entschied er sich bewusst für Medizinprodukte: „Wo es im Klinikalltag klemmt, kann Design echten Mehrwert schaffen, indem es Technologie verständlich und leicht anwendbar macht.“ 

Für Röhrig heißt das, die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer genau zu verstehen und mit durchdachten Designmethoden Lösungen zu entwickeln, die sich nahtlos in den Klinikalltag einfügen.

Eine Person in medizinischer Arbeitskleidung hält ein leuchtendes digitales ‚UX‘‑Hologramm, umgeben von dynamischen kreisförmigen und linearen grafischen Elementen, die Technologie und User‑Experience‑Design darstellen.

„Wir helfen dabei, Ideen und Konzepte früher greifbar zu machen, indem wir das Produkterlebnis simulieren. So wird schnell und mit wenig Aufwand sichtbar, wie die Lösung bei den Kunden ankommt und wie sie den Workflow verändert.“ Dabei arbeitet Röhrig eng mit R&D und dem Produktmanagement zusammen, um gemeinsam bessere Produkte zu entwickeln: „Wir bringen Teams zusammen, vertiefen die Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg und helfen, eine gemeinsame Vision zu entwickeln.“

Studien zeigen: Digitale Anwendungen setzen sich im Gesundheitswesen nur dann durch, wenn das Nutzungserlebnis überzeugt [1]. Damit das gelingt, müssen UX-Teams von Anfang an mit am Tisch sitzen, denn ein Nutzungserlebnis (User Experience; UX) entsteht in jeder Interaktion: Ist das System intuitiv? Lassen sich Informationen schnell finden? Vermittelt die Anwendung Sicherheit? Reagiert sie schnell genug, wenn es darauf ankommt? Und fügt sie sich in die Abläufe ein, indem sie den Workflow verbessert?

Der Begriff Nutzungserlebnis (User Experience, UX) bezieht sich auf die Einstellung und Eindrücke von Nutzer*innen bei der Interaktion mit einem Produkt oder einer Dienstleistung. Gutes UX‑Design macht komplexe Systeme verständlich, unterstützt Nutzer*innen aktiv und hilft ihnen, sicher und effizient zu handeln.

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Timo seated indoors, wearing a dark shirt with soft blue lighting and a blurred office background.

Für Röhrig steht fest: Je früher echte Nutzer*innen in den Entwicklungsprozess eingebunden werden, desto leichter lassen sich Anpassungen vornehmen und desto mehr Zeit sowie Ressourcen werden am Ende gespart. Bei Siemens Healthineers ist UX daher kein nachträglicher Schritt, sondern Teil des Entwicklungsprozesses. Röhrig arbeitet in einem globalen Team aus UX-Expert*innen für Nutzungsforschung (User Research), Strategie, Interaktionsdesign, Industriedesign und andere Designdisziplinen. Dieses Wissen kommt genau dort zum Einsatz, wo es am meisten bewirkt: im klinischen Umfeld, gemeinsam mit den Menschen, die unsere Lösungen täglich nutzen. 

Wie das konkret aussieht, zeigt Timo Röhrig im Video.

In interventionellen Eingriffen zählt jede Sekunde. Besonders dann, wenn kurzfristig externe Expertise benötigt wird. Doch genau diese schnelle Einbindung ist heute oft umständlich, zeitaufwändig und von vielen Zwischenschritten abhängig. Deshalb arbeitet Röhrig eng mit verschiedenen Klinikteams an einer digitalen Lösung, die externe Fachleute remote und ohne Verzögerung in den Interventionsraum oder Hybrid-OP bringt.

Die Plattform soll auf einer sicheren, verschlüsselten Videoarchitektur aufbauen und hochwertige Bildübertragung ermöglichen. „Wir planen eine bestehende Lösung zu nutzen, die unsere ARTIS-Systeme mit modernen Audio-Video-Funktionen verbindet, um Bildführung und Konnektivität im Herzkatheterlabor weiter zu stärken“, erklärt Röhrig. Damit öffnen sich neue Chancen für die Versorgung von Patientinnen und Patienten, gestützt durch digitale Interaktion. „Unser Ziel ist es, komplexe Prozeduren künftig noch besser zu koordinieren und dadurch die Behandlungsergebnisse zu verbessern,“ betont Röhrig.

Ein weiteres Beispiel von Röhrigs Arbeit ist ein digitales Dashboard, das Ärzt*innen zu Beginn einer Katheterbehandlung alle entscheidenden Informationen auf einen Blick liefert. Röhrigs Vision: Sobald das Team das Katheterlabor betritt, sollen die vollständige Historie der behandelten Person, aktuelle und frühere Laborwerte sowie relevante Bilddaten wie Computer- und Magnetresonanztomographie-Scans unmittelbar zur Verfügung stehen. „Wir haben das Konzept so entwickelt, dass man direkt eintauchen kann: Die erste Ebene zeigt genau die Informationen, die für die jeweilige klinischen Fragestellung relevant sind. Weitere Details lassen sich bei Bedarf mit einem Klick abrufen. Die Lösung soll sich wie ein Consumer-Produkt anfühlen und in den Klinikalltag passen“, erklärt Röhrig. 

Auch wenn beide Lösungen aktuell noch Zukunftsmusik sind, ist er überzeugt: Die Medizin von morgen kommt ohne digitale Werkzeuge, die Komplexität reduzieren und Informationen gezielt zugänglich machen, nicht aus.

Schon heute ist der Klinikalltag von Komplexität und einer wachsenden Datenflut geprägt. „Unser Job ist es, Lösungen zu entwickeln, die es dem Fachpersonal ermöglichen, ihre Aufgaben mit Klarheit und Effizienz zu erfüllen“, sagt Röhrig. Gleichzeitig stehen Kliniken vor einem technologischen Wandel. Künstliche Intelligenz (KI) wird die Arbeitsweise von Behandlungsteams grundlegend verändern, von der Präzisionsmedizin bis hin zur Optimierung von Arbeitsabläufen. „Damit dieser Wandel gelingt, müssen wir verstehen, wie wir Teams in dieser Transformation unterstützen“, erklärt Röhrig. 

Ein Beispiel ist Syngo.CT Coronary Cockpit1 von Siemens Healthineers: Die Software unterstützt Kliniker*innen bei der Diagnostik und Therapie der koronaren Herzkrankheit, indem sie eine automatisierte, KI-gestützte Plaque-Analyse sowie die Planung perkutaner Koronarinterventionen (PCI) auf Basis der Koronar-CT-Bildgebung ermöglicht. Ziel ist es, Plaque-Eigenschaften sichtbar zu machen und die Entscheidungsfindung entlang des gesamten Behandlungspfades zu unterstützen.

Eine Person ist von hinten zu sehen, wie sie auf einen Computermonitor schaut, auf dem eine medizinische Bildgebungssoftware zu sehen ist. Der Bildschirm zeigt einen CT‑Scan in Graustufen mit anatomischen Strukturen sowie Werkzeug‑ und Navigationsleisten rund um das Bild.
Von Beginn an waren kardiologisches und radiologisches Fachpersonal eng eingebunden. In Workshops wurden Anforderungen gesammelt, Ideen entwickelt und anschließend in Prototypen überführt, die iterativ mit Nutzer*innen getestet wurden. Auf diese Weise entstanden eine intuitive Benutzeroberfläche und ein System, das die diagnostische Sicherheit erhöhen kann.
„Wir können anfänglich nur Annahmen treffen. Erst im Austausch mit Ärztinnen, Ärzten und Pflegekräften zeigt sich, wie KI-Lösungen tatsächlich akzeptiert werden“, sagt Röhrig. UX-Design mache neue Konzepte früh erlebbar und gemeinsam validierbar, um die Basis für technische Umsetzung und wirtschaftliche Machbarkeit zu schaffen.

Damit das gelingt, setzt Röhrig auf Interdisziplinarität, vielfältige Perspektiven und klinisches Verständnis in seinem Team. „Nur wer den Klinikalltag versteht, kann relevante Lösungen entwickeln.“ Und Fehler gehören dazu: „Wir wollen schnell wissen, was nicht funktioniert, um daraus zu lernen.“

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Was treibt ihn an, auch bei langwierigen Projekten nicht aufzugeben? „Ich tauche gerne in komplexe Themen ein und bringe sie auf den Punkt. Die Zusammenarbeit mit Ärztinnen, Ärzten und Pflegefachkräften inspiriert mich jedes Mal aufs Neue. Man lernt ständig dazu, immer mit dem Ziel, Menschen zu helfen.“

In seiner Freizeit lehrt ihn das Surfen, das Meer zu lesen, den richtigen Moment zu erkennen und entschlossen zu handeln. Diese Herangehensweise prägt auch Röhrigs Arbeit im UX Design: Er beobachtet genau, erkennt Chancen und geht gemeinsam mit medizinischen Teams und Kolleg*innen neue Wege. Mit diesem menschzentrierten Ansatz gestaltet er Lösungen, die Arbeitsabläufe im Gesundheitswesen verbessern und Vertrauen schaffen – eine wesentliche Grundlage für die Medizintechnik von morgen.


Von Rebecca Murr
Rebecca Murr ist Redakteurin bei Siemens Healthineers. Sie ist spezialisiert auf Karriere-, Technologie- und Innovationsthemen.