Onkologie

Theranostik: Eine neue Behandlung für den Prostatakrebspatienten John

Wie ein neuer personalisierter Behandlungsansatz den Verlauf von Johns Krankheit veränderte.

Sameh Fahmy
Veröffentlicht am November 1, 2023
<p>Als bei John vor 15 Jahren zum ersten Mal <a href="Prostatakrebs">Prostatakrebs</a> diagnostiziert wurde, wurde ihm gesagt, er habe nicht mehr als drei Jahre zu leben. Doch dank Johns Durchhaltewillen und eines neuen personalisierten Behandlungsansatzes, der Theranostik, verlief seine Krankheit ganz anders als vorhergesagt.</p>
Prostate cancer patient John and his wife Mary enjoying a coffee in the kitchen.
Prostatakrebs ist die zweithäufigste Krebserkrankung bei Männern und die dritthäufigste Todesursache durch Krebs bei Männern in der westlichen Hemisphäre.(1) Ärzt*innen stützen sich bei der Erkennung auf Bluttests und körperliche Untersuchungen sowie zur weiteren Diagnose auf MRT und Biopsien. Prostatakrebs schreitet oft langsam voran und muss im Frühstadium nicht immer sofort behandelt werden. In späteren Stadien kommen Strahlentherapie, Chemotherapie und Operation in Frage.
<p>John war sein Leben lang sehr aktiv. Doch 2022 konnte er als Prostatakrebspatient im vierten Stadium kaum noch das Bett verlassen. Er unterzog sich einer Chemotherapie, doch die Behandlungen verfielen bald in ein vertrautes, beunruhigendes Muster: Bei jeder Runde Chemotherapie wurden die Nebenwirkungen letztlich so schwer, dass sie den Nutzen der Behandlung überwogen. Mit der Zeit merkte John, dass die klinischen Studien, für die er in Frage kam, angesichts seines Alters und seines Zustands körperlich zu anstrengend waren. Er hatte immer weniger Optionen. Schließlich wurde ihm Hospizpflege angeboten.&nbsp;<br><br>In dieser Zeit erfuhr er erstmals von Theranostik. „Ich war sehr schwach, als ich Dr. Osborne aufsuchte. Wir kamen zu dem Schluss, dass dies eine gute Alternative wäre“, erzählt er. „Es waren sechs Behandlungen im Abstand von sechs Wochen, und das war für mich sehr attraktiv, weil sie nicht so eng beieinander lagen.“ Theranostik gab John neue Hoffnung. Sie schien ihm eine Behandlung, die er selbst in seinem stark geschwächten Zustand ertragen konnte</p>

prostate cancer

<p>John begann seine Behandlung im April 2022. Danach kam es bei ihm zu Übelkeit und Erbrechen, doch diese Nebenwirkungen ließen schnell nach.&nbsp;<br><br>Am Morgen nach seiner ersten Behandlung war seine Frau Mary überrascht, ihn in der Küche anzutreffen, wo er Frühstück machte. „Ich konnte es nicht glauben“, erinnert sie sich. „Er sagte: ‚Mary, möchtest du frühstücken?‘ Und ich sagte: ‚Na klar!‘“</p>
Johns Ärzt*innen überwachten sein Ansprechen auf die Therapie während der sechs Behandlungen, die bald zu einer fast angenehmen Routine wurden. Er fuhr selbst ins Krankenhaus, begrüßte das Personal, ließ sein Blutbild überprüfen und unterzog sich einer Infusion und anschließend einem quantitativen Scan.
<p>Bildgebung und Labordiagnostik spielen eine wichtige Rolle bei der Überwachung und Nachsorge nach der Therapie. John sagt, dass sich nicht nur seine körperliche Ausdauer verbessert hat - er konnte z.B. wieder Treppen steigen, ohne außer Atem zu geraten -, sondern dass sich auch sein geistiger und emotionaler Zustand schnell verbesserte. „Es beeinträchtigt dich psychisch, wenn du das Gefühl hast, nichts tun zu können und kaum etwas wert zu sein“, sagt er.</p>

Joseph Osborne, MD, (left) with Mary and prostate cancer patient John.

<p>„Das Konzept der Theranostik gibt es schon seit Jahrzehnten, ist aber erst jetzt wirklich umsetzbar und spannend geworden, weil mehrere prospektive klinische Studien einen enormen Nutzen zeigen“, so Dr. med. Joseph R. Osborne, Leiter der Abteilung für Molekulare Bildgebung und Therapeutik und Professor für Radiologie an einem führenden akademischen Krankenhaus in New York City, USA, der Johns Behandlung beaufsichtigt.&nbsp;<br><br>Osborne betont, dass Patient*innen wie John durch Theranostik nicht nur ein langes Leben, sondern auch einen dramatisch verbesserten Allgemeinzustand erlangen können.</p>
John kann heute wieder alltägliche Aufgaben erledigen, für die er vorher einfach nicht die Energie hatte. Er kann sogar wieder reisen. Er geht weiterhin regelmäßig zur Nachsorge und Überwachung zu seinen Ärzt*innen. Er und seine Frau betonen, wie dankbar sie sind.
Prostate cancer patient John (right) and his wife Mary.

Von Sameh Fahmy
Sameh Fahmy, MS, ist ein mehrfach ausgezeichneter freiberuflicher Medizin- und Technologie-Journalist. Er lebt in Athens, Georgia, USA.