Nachhaltigkeit

Ein kluger Schritt in Richtung mehr Energieeffizienz

Wie Luz Saúde und Siemens Healthineers den Energieverbrauch von MRT-Geräten sowie CO₂-Emissionen senken, betriebliche Effizienz steigern und zugleich eine hohe Versorgungsqualität gewährleisten.
10min
Andrea Lutz
Veröffentlicht am 10. Juli 2026
Was, wenn Ihr klinisches Team bis zu 50 Prozent mehr Patient*innen untersuchen könnte – ohne zusätzliche Scanner oder technische Ressourcen? Die Auswirkungen wären bahnbrechend: höhere betriebliche Effizienz, geringere Kosten sowie eine schnellere und nahtlosere Versorgung der Patient*innen. 

Gemeinsam zeigen Luz Saúde in Portugal und Siemens Healthineers, dass Nachhaltigkeit nicht nur ein Umweltziel ist, sondern auch ein starker Motor für Innovation und Wandel im gesamten Krankenhausbetrieb.

Das Gesundheitswesen verursacht fast vier Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen. Das erhöht den Druck auf Krankenhäuser, ihre bauliche Gestaltung, ihren Betrieb und die Überwachung ihres Energieverbrauchs neu zu denken.

Bild von Isabel Vaz mit Zitat

In Portugal nimmt der Wandel hin zu einem nachhaltigeren Gesundheitswesen gerade an Fahrt auf. Für Isabel Vaz, Geschäftsführerin von Luz Saúde, ist Nachhaltigkeit mehr als ökologische Verantwortung – sie ist zu einer strategischen Priorität geworden, die tief in den Grundwerten von Luz Saúde verankert ist: „Unsere Aufgabe ist, eine hochwertige Gesundheitsversorgung und zugleich langfristige Nachhaltigkeit zu gewährleisten, sowohl in unserer Organisation als auch für das Gesundheitssystem.“

Um den Patient*innendurchsatz zu steigern, braucht es nicht unbedingt neue Geräte oder zusätzliches medizinisches Personal. Oft liegt die eigentliche Chance darin, bestehende Arbeitsabläufe genauer unter die Lupe zu nehmen und die bereits vorhandene Infrastruktur intelligenter zu nutzen. Siemens Healthineers und Luz Saúde betreiben ein Gemeinschaftsprojekt, das auf ActGreen Energy Efficiency Services basiert. Es zeigt, wie fortschrittliche Technologie, datengestützte Erkenntnisse und intelligente Energieüberwachung den Energieverbrauch und Emissionen erheblich senken und zugleich die betriebliche Effizienz in großen, modernen Krankenhäusern verbessern können.


In der Anfangsphase konzentrierte sich das Pilotprojekt auf die medizinische Bildgebung – ein wesentlicher Faktor für den Energieverbrauch in Krankenhäusern. Etwa 7,5 Prozent des gesamten Energiebedarfs eines Krankenhauses entfallen auf die Radiologie. Die MRT ist dabei das energieintensivste bildgebende Verfahren [1].


Balkendiagramm, das den jährlichen Energieverbrauch verschiedener Bildgebungsmodalitäten zeigt.

Die Initiative begann mit einer eingehenden Analyse von 10 MRT-Systemen und deren Kühlaggregaten. Intelligente Überwachung wurde mit praktischen Maßnahmen kombiniert, wie dem Eco Power Modus und automatisierten Abschaltprotokollen. Zudem wurde untersucht, wie KI-gestützte Bildrekonstruktion MRT-Untersuchungen beschleunigen kann. Parallel dazu wurden Lösungen zur Senkung des Energieverbrauchs während Leerlaufzeiten auf ihre Wirksamkeit geprüft.

Dieser Ansatz deckte versteckte Ineffizienzen auf, verbesserte die Vorhersage von Verbrauchsmustern und ermöglichte datengestützte betriebliche Entscheidungen. Nur ein Beispiel: Der Energieverbrauch eines MRT-Geräts lässt sich allein dadurch halbieren, dass es am Ende des Tages ordnungsgemäß ausgeschaltet wird. Pedro Gonçalves, Betriebsleiter für Enterprise Services bei Siemens Healthineers Portugal, nennt folgende Zahlen: „Wir konnten während der Stillstandszeiten der MRT-Geräte deutliche Energieeinsparungen von rund 46 Prozent ermitteln und den Gesamtverbrauch stark senken. Wir sprechen hier von einer Energieeinsparung von fast 200 MWh. Betrachtet man das Gesamtpotenzial für die ganze Gruppe, entspräche dies einer jährlichen CO₂-Einsparung von rund 92 Tonnen. Bei den 10 untersuchten MRT-Systemen entspricht die Einsparung dem Jahresverbrauch von zwei bis drei typischen Vier-Personen-Haushalten.“

MR System mit leuchtendem Display
MR System ohne leuchtendes Display

Ein einfacher Knopfdruck. Ein messbares Ergebnis.

Der Eco-Power-Modus und die Ausschaltfunktion senken den Energieverbrauch während Stillstandszeiten. Der Effekt: Bei Luz Saúde sank der Energieverbrauch der MRT-Geräte in Leerlaufphasen um 46 Prozent.

Artur Vaz, der bei Luz Saúde für den Bereich Nachhaltigkeit zuständig ist, bestätigt: „Wir glauben nicht, dass sich das Problem durch den Erwerb von Emissionszertifikaten lösen lässt […].“


Artur Vaz from Luz Saude, Portugal, talking about Sustainability

In einem zweiten Schritt wurde auf einigen Geräten Deep Resolve installiert. Deep Resolve ist eine KI-gestützte Technologie zur Rekonstruktion von MRT-Bildern, die mit einem konvolutionellen neuronalen Netz verkürzte Scan-Zeiten ermöglicht und gleichzeitig die Bildschärfe verbessert sowie das Rauschen reduziert. Einige Untersuchungsprotokolle wurden angepasst. Ärzt*innen von Luz Saúde bewerteten in einem Blindtest die Bildqualität und diagnostische Zuverlässigkeit. Gonçalo Leal, Leiter der Abteilung für Strategie und Betrieb in der medizinischen Bildgebung bei Luz Saúde, erklärt: „Die Bildqualität war genauso gut oder sogar besser als zuvor, mit dem zusätzlichen Vorteil, dass die Patient*innen weniger Zeit im Gerät verbringen müssen, was wiederum deren Erfahrung verbessert.“

Ein konvolutionelles neuronales Netz ist ein künstliches neuronales Netzwerk, das Muster in Daten automatisch erkennt, insbesondere in Bildern.

Die langfristige strategische Zusammenarbeit zwischen Siemens Healthineers und Luz Saúde bestätigte eine Überzeugung, die beide Partner teilen: Nachhaltigkeit und Zugang zur Gesundheitsversorgung stehen nicht im Widerspruch zueinander – sie ergänzen sich gegenseitig. „Durch unser Engagement für eine nachhaltigere Zukunft wollen wir Mehrwert für Kunden wie Luz Saúde schaffen. Der Hauptaugenmerk liegt darauf, den CO₂-Fußabdruck zu verringern und die Energieeffizienz zu verbessern. „Mit ActGreen Energy Efficiency Services verbessern wir die Leistung und steigern die Energieeffizienz auf Grundlage des tatsächlichen Energieverbrauchs“, sagt Natalia Korchakova-Heeb, die bei Siemens Healthineers den Bereich Sustainable Healthcare Infrastructure leitet.

Durch die konsequente Umsetzung von Lösungen in allen drei Säulen von ActGreen Energy Efficiency Services – Technologieoptimierung, Energieüberwachung und Leistungsverbesserung – hat das Projektteam in Portugal bewiesen, dass die Energiewende im Gesundheitswesen kein fernes Ziel ist. Sie ist bereits im vollen Gange. Die Auswirkungen lassen sich in Echtzeit messen, überwachen und optimieren.

CEO of Luz Saúde, Isabel Vaz, standing in hallway of her institution.

Für Gonçalo Leal hat die Initiative gezeigt, dass sich diese Technologie sowohl energetisch als auch finanziell positiv auswirkt: „Wir sind zuversichtlich, das Projekt auf andere Infrastruktursysteme wie Heizung, Lüftung und Klimatisierung (HLK), schwere medizinische Geräte und andere große Energieverbraucher ausweiten zu können.“

Eines der wichtigsten Ziele des Projekts ist nun, als Referenzmaßstab zu dienen. Ziel ist die Entwicklung eines reproduzierbaren Modells zum Einsatz in Krankenhäusern und Laboren mit unterschiedlichen Profilen, aber ähnlichen Herausforderungen, um die Lösung im gesamten Gesundheitswesen skalieren zu können.


Von Andrea Lutz
Andrea Lutz ist Journalistin und Business-Trainerin mit den Schwerpunkten Medizin, Technik und Healthcare IT. Sie lebt in Nürnberg, Deutschland.