Nachhaltigkeit

Der Lebenszyklus eines Magnetresonanztomographen

In einer Welt endlicher Ressourcen muss die Medizintechnikbranche Nachhaltigkeitsaspekte in allen Lebenszyklusphasen berücksichtigen – ohne Kompromisse bei der Produktqualität einzugehen. Um dies zu schaffen, müssen Produkte schon beim Design kreislaufgerecht konzipiert werden. Das beginnt damit, ihren Lebenszyklus so lange wie möglich ausdehnen zu können.
Philipp Grätzel von Grätz
Veröffentlicht am June 20, 2023
<p>Die Hauptkomponenten eines Magnetresonanztomographen sind der Magnet, die Gradientenspulen, die Hochfrequenzspulen, die lokalen Spulen, der Patiententisch, die Elektronik und die Abdeckung. Das optimale, kreislaufgerechte Design eines solchen Systems plant von Anfang an den unkomplizierten Austausch dieser Komponenten ein, ohne dass das gesamte System zerlegt werden muss.</p><p>"Komponenten, die sich leicht austauschen lassen, sind potenziell reparabel", sagt Martin Vitzthum, Leiter der Prozessplanung für Spulen bei der Siemens Healthineers Magnetic Resonance Imaging Unit. Die Reparierbarkeit ist ein essenzieller Aspekt der Kreislaufwirtschaft, der unter keinen Umständen vernachlässigt werden darf. Denn ob eine Komponente repariert werden kann, entscheidet der Ingenieursgeist bereits bei der Entwicklung:</p>
Wie kann die Komponente bestmöglich reparierbar gemacht werden, um so Ressourcen zu schonen und immer noch wirtschaftlich zu sein? Oft ist es eine Win-Win-Situation.
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„Deshalb bieten wir einen Reparaturservice für ein breites Spektrum von MRT-Komponenten an, insbesondere für lokale Spulen, aber auch für Elektronik und Patiententische“, sagt Norbert Gebhardt, Leiter des Local Coils Production Teams bei Siemens Healthineers in Erlangen. Und das hat noch einen weiteren Vorteil: “Durch die Reparatur lernen wir etwa, wie die Kunden unsere Spulen nutzen. Wenn bestimmte Probleme immer wieder auftreten, wird das Produkt angepasst, so dass die Kunden am Ende ein besseres Produkt erhalten“, erklärt er weiter. Qualität hat also eine Nachhaltigkeitsdimension an sich, denn Komponenten, die weniger repariert werden müssen, brauchen weniger Transport und weniger (Um-)Verpackung.
<p>Um die Menge der benötigten Rohstoffe zu begrenzen, gibt es weitere Wege, die Lebensdauer der Scanner und Komponenten zu verlängern. Ein sehr wichtiger Service, der für viele MRTs angeboten wird, ist der Vor-Ort-Upgrade-Service. Nehmen wir zum Beispiel ein System, welches 2003 auf den Markt gebracht wurde und seit 20 Jahren in einem Krankenhaus installiert ist. Dieses kann zu einem aktuellen Modell aufgerüstet werden – zu einem Scanner, der eine oder sogar zwei Generationen jünger ist.&nbsp;</p><p>Der Nachhaltigkeitsaspekt dieses Vor-Ort-Upgrade-Services werde oft unterschätzt, findet Lars Drüppel, Vice President Product Lifecycle Management bei Siemens Healthineers. So muss ein Kunde, der ein moderneres System benötigt, nicht zwangsläufig ein komplett neues Gerät bestellen. Damit entfallen der energieintensive Versand und auch alle Bauarbeiten, die bei neu gelieferten MRT-Systemen anfallen. "In der Tat sehen wir für jedes MRT, das wir auf den Markt bringen, mögliche Upgrades vor", sagt Drüppel.</p>
<p>Die Aufrüstung eines solchen Scanners vor Ort dauert etwa zwei bis drei Wochen, sagt Jan Chudzik, Head of Installed Base Business MRI bei Siemens Healthineers. Das ist deutlich weniger als die Bauarbeiten, die beim Kauf eines neuen nötig wären. Deshalb sind geringere Ausfallzeiten ein wichtiges Argument für die Aufrüstung.&nbsp;</p><p>Ein Anwender kann mit einem Upgrade schneller wieder zur Tagesordnung übergehen als mit dem Kauf eines komplett neuen Systems. Eine Aufrüstung bedeutet, dass mehr oder weniger alle Komponenten des alten MRTs demontiert werden, mit Ausnahme des Magneten. Der Magnet kann vor Ort verbleiben, weil er extrem langlebig ist.&nbsp;</p>
<p>Doch irgendwann kommt der Tag, an dem die Investition in ein Neusystem sinnvoll und empfehlenswert ist, etwa wenn ein Institut die Patientenerfahrung weiter verbessern oder mehr interventionelle Eingriffe vornehmen möchte und deshalb ein System mit einer größeren Patientenöffnung benötigt. Das bedeutet allerdings noch lange nicht das Aus für das gebrauchte System.&nbsp;</p>
Erfahren Sie in unserem zweiten Teil, wie eine ganzheitlich gedachte Kreislaufwirtschaft erfolgreich sein kann und wie Altgeräten neues Leben eingehaucht wird – mit keinem geringeren Standard als wie neu.

Von Philipp Grätzel von Grätz
Philipp Grätzel von Grätz arbeitet als unabhängiger Journalist und Redakteur für medizinische Themen und Technikthemen in Berlin.