Connected health

Digitales Krankenhaus: Vernetzte Versorgung über neun Inseln hinweg

Was braucht es, damit hochwertige Gesundheitsversorgung unabhängig vom Wohnort verfügbar wird? Der Azores Regional Health Service setzt auf digitale Lösungen, um Versorgung, medizinisches Fachpersonal und klinische Informationen über neun Inseln hinweg zu vernetzen.
Stephanie Scharff
Veröffentlicht am 21. August 2026
Für die rund 240.000 Einwohnerinnen und Einwohner der Azoren prägt die geografische Lage seit jeher den Zugang zur Gesundheitsversorgung. Die neun Inseln des portugiesischen Archipels liegen weit verstreut im Atlantik. Für fachärztliche Untersuchungen und Behandlungen waren oft zeitaufwendige Reisen zwischen den Inseln erforderlich.

Gleichzeitig arbeitet das medizinische Fachpersonal in einem komplexen Versorgungsnetzwerk aus Krankenhäusern, Gesundheitszentren und spezialisierten Einrichtungen. „Die Azoren bestehen aus neun Inseln und fast neun unterschiedlichen Herausforderungen“, sagt Mónica Seidi, Regionalsekretärin für Gesundheit und soziale Sicherheit.

Um diese Herausforderungen zu bewältigen, hat der regionale Gesundheitsdienst der Azoren das Projekt Digital Hospital (en.) gestartet. Ziel ist es, Gesundheitsfachkräfte, Patientinnen und Patienten sowie klinische Informationen über alle Inseln hinweg zu vernetzen. Gemeinsam mit Siemens Healthineers entsteht ein integriertes digitales Ökosystem mit einer einheitlichen elektronischen Patient*innenakte, Portal für Patient*innen und medizinisches Fachpersonal, Telekonsultationen sowie standardisierten klinischen Daten.

Das Ziel ist klar: Eine hochwertige Gesundheitsversorgung soll unabhängig vom Wohnort verfügbar sein. Statt für routinemäßige fachärztliche Termine mit dem Flugzeug zu reisen, können Patientinnen und Patienten zunehmend virtuelle Versorgungsangebote nutzen, ihre medizinischen Unterlagen online einsehen, Rezepte verwalten und Termine über eine zentrale digitale Plattform vereinbaren.

Für medizinisches Fachpersonal ermöglichen zentral verfügbare Informationen fundiertere Entscheidungen und reduzieren administrative Hürden. Der Arzt Lénio Couto erklärt: „Durch die Zentralisierung der Daten können wir mehr Zeit mit den Patient*innen verbringen und mit ihnen sprechen. Sie schafft keine Distanz, sondern hilft uns vielmehr dabei, ihnen näher zu sein.“

Die Auswirkungen sind bereits sichtbar. Patient*innen können online auf Informationen zu Konsultationen, Untersuchungsergebnissen und Impfungen zugreifen. Gleichzeitig reduzieren Telekonsultationen den Reiseaufwand und verbessern den Zugang zu fachärztlicher Expertise. Die Digitalisierung stärkt die Koordination zwischen den Inseln, reduziert Redundanzen und unterstützt eine sicherere und effizientere Gesundheitsversorgung.

Mit Blick auf die Zukunft schafft das Digital Hospital ein neues Modell für die regionale Gesundheitsversorgung. Mónica Seidi betont: „Wir tragen die Verantwortung dafür, weiterhin die bestmögliche Versorgung anzubieten und uns dabei an den Bedürfnissen unserer Patientinnen und Patienten zu orientieren.“ Durch einen besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung mithilfe von Vernetzung und Innovation schaffen die Azoren die Voraussetzungen für eine gerechtere, personenzentrierter Versorgung für die Menschen auf allen Inseln.


Von Stephanie Scharff
Stephanie Scharff ist Redakteurin und Autorin bei Siemens Healthineers.