Prof. Paprottka bei der Mikrowellenablation eines Lebertumors

Von Bildgebung bis Therapie: Moderne IR-Techniken und ihr PotenzialProf. Dr. Philipp Paprottka im Interview

31.07.2026
Wer Prof. Dr. Philipp Paprottka im klinischen Alltag erlebt, spürt seine Begeisterung für die Interventionelle Radiologie sofort. Er und sein Team im TUM Universitätsklinikum Rechts der Isar führen fast 300 verschiedene minimalinvasive bildgesteuerte Therapien durch. Für die Leberablation nutzen sie Bildgebung und Therapie aus einer Hand – von Siemens Healthineers.
Die Deutsche Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und minimal-invasive Therapie (DeGIR) verzeichnet auf ihrer Homepage rund 200 Zentren für Interventionelle (Neuro-)Radiologie. Prof. Dr. Philipp Paprottka leitet die Interventionelle Radiologie im TUM Universitätsklinikum Rechts der Isar (München) und wünscht sich mehr Sichtbarkeit für sein Fachgebiet. „Wir müssen den Bekanntheitsgrad der Interventionellen Radiologie erhöhen.“ Denn die Interventionelle Radiologie ermöglicht inzwischen Eingriffe mit Nadel und Katheter, „die äquivalent zu einem chirurgischen Prozedere gesehen werden.“ Dazu müsse die Interventionsradiologie in einem möglichst frühen Stadium der Erkrankung aktiv werden. Paprottka betont: Je mehr die Kolleg*innen anderer Fachrichtungen die Möglichkeiten der Interventionsradiologie kennen und berücksichtigen, umso mehr Menschen könne geholfen werden.
Das gilt beispielsweise für minimalinvasive Ablationen, die ambulant durchgeführt werden. In vielen Fällen sind die Patient*innen nach wenigen Stunden wieder zu Hause. „Genau das wollen die Patienten und Patientinnen“, so Paprottka. Auch Leberkrebspatient*innen bietet diese Therapie unter günstigen Voraussetzungen sehr gute Perspektiven für eine vollständige Genesung.
Die Leberablation am TUM Universitätsklinikum Rechts der Isar ist nicht nur ein anschauliches Beispiel für den medizintechnischen Fortschritt in der Krebsbehandlung. Dieser Anwendungsfall zeigt auch, wie gut die beiden zentralen Technologien für Bildgebung und Ablation aufeinander abgestimmt sind. CT und Mikrowellen-Ablationssystem stammen vom gleichen Anbieter. Paprottka sieht darin einen besonderen Vorteil, „weil die Schnittstellen ganz einfach funktionieren, was die Sache für uns schneller und effizienter macht“.

Der Facharzt formuliert ambitionierte Ansprüche an die Präzision der Interventionsradiologie: „So wie man bei einem chirurgischen Eingriff eine R0-Resektion erwartet, darf man von uns verlangen, dass wir A0 abladieren.“ Für die präzise Workflow-Steuerung steht myAblation Guide bereit. Die Softwarelösung visualisiert Zugangswege, simuliert verschiedene Ablationsareale und hilft dabei, die am besten geeignete Nadelposition zu bestimmen.

Ergänzend setzen Paprottka und sein Team myNeedle Guide ein. Das Assistenzsystem für die präzise Nadelnavigation unterstützt insbesondere die komplexen Interventionen. Etwa bei Eingriffen mit dreifach anguliertem Zugang oder multiplen Nadelpositionen mit verschiedenen Winkeln. Bei der Intervention zeigen Laserkreuze auf dem Körper der Patient*innen, wo es gemäß der Planung langgeht.

Unter den Ablationstechniken räumt Paprottka der Mikrowellenablation eine bevorzugte Stellung ein: „Die Mikrowelle ist für viele Fälle besonders gut geeignet, weil sie heißer und schneller ist und weil ich größere Areale behandeln kann.“ Generell betrachtet er die Interventionelle Radiologe als gleichberechtigte Option im Tumorboard – und nicht als Konkurrenz zu Chirurgie, Chemo- und Strahlentherapie. „Es geht nicht um das eine oder andere, sondern um interdisziplinäre Abstimmung innerhalb eines onkologischen Gesamtkonzeptes im Klinikum.“

„Ich hätte während meines Medizinstudiums nicht zu träumen gewagt, wozu die Medizintechnik heute in der Lage ist“, schwärmt der 45-Jährige. Auf die Frage, wohin sich die Interventionelle Radiologie entwickeln wird, antwortet er: „Mehr softwaregesteuerte Interventionen und langfristig mehr Remote-Robotik.“ Das würde dem medizinischen Fortschritt neue geografische Perspektiven eröffnen: „Ich wünsche mir, dass die Expertise von Interventionsradiolog*innen auch in der Fläche und abseits der klinischen Fachzentren immer mehr Patientinnen und Patienten erreicht.“