Win-win-Situation mit 4,5 Tesla

24.05.2019

Das Universitätsklinikum Jena zählt zu den fortschrittlichsten Klinikneubauten Deutschlands. Jüngste technische Neuerung ist ein Cluster aus zwei neuen MRT-Scannern – ein MAGNETOM Sola und ein MAGNETOM Vida. Die Systeme verstärken nicht nur die klinische Routine, sondern ermöglichen mit ihrer großen Öffnung auch ein neues Niveau für den Patientenkomfort. Kurz vor der Inbetriebnahme berichten Professor Ulf Teichgräber, Leiter des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie (IDIR), und Felix Güttler, kaufmännisch-technischer Leiter des Instituts, welche Vorteile sie sich von den neuen Systemen erhoffen.

Herr Güttler, Herr Professor Teichgräber, wo lag Ihr Fokus bei der Auswahl der Systeme für den neuen MRT-Cluster?

Felix Güttler: Open Bore war eine Grundvoraussetzung, daher spielten ein möglichst langes und homogenes FoV aber auch starke Gradienten eine besondere Rolle. Wir wollten Bildeindrücke mit SMS TSE und GRASP-VIBE sehen und hatten mit Compressed Sensing und der BioMatrix-Technologie besonders unsere Prozesszeiten im Blick. Obwohl es zunächst nur den BioMatrix-Atemsensor gab, waren wir von der Vorteilhaftigkeit der integrierten Sensorik überzeugt. Der Beat-Sensor und das Kinetic- Kamerasystem sind weitere wichtige Elemente für dieses Konzept.

Prof. Dr. med. Ulf Teichgräber: Gerade die Automatisierung der Arbeitsabläufe war für uns sehr interessant, denn darauf werden wir uns sicherlich in den nächsten Jahren besonders konzentrieren, um noch effizienter und besser zu werden. Dabei spielen neben schnelleren Sequenzen auch Neuerungen wie die GO-Technologien für reibungslose Workflows eine wichtige Rolle. Ich denke, durch unser Prinzip, jeweils ein 1,5T- und ein 3T-System nebeneinander zu installieren, sowie ein stärkeres Bündeln der Untersuchungen nach Untersuchungsarten können wir ein Maximum an Effizienz erreichen und zwar sowohl für Akutfälle als auch für elektiv einbestellte Patienten.

Welche Verbesserungen bieten die Systeme beim Patientenkomfort?

Teichgräber: Die Angst der Patienten ist bei der MRT hoch, da sind einerseits Features wie die einstellbare Beleuchtung in der Röhre wichtig. Aber auch Technologien zur Reduktion von Bewegungsartefakten helfen ja nicht nur bei der Bildqualität. Wo sie Wiederholungsuntersuchungen unnötig machen, reduzieren auch sie die Belastung für Patienten, gerade bei Akutpatienten. Und auch die bisher relativ häufigen Abbrüche von Untersuchungen wegen Klaustrophobie werden mit den neuen Systemen sicher seltener werden.

Güttler: Zudem können wir mit dem Atemsensor die strenge Diktion des Atemanhaltens aufheben. Das erweitert das Spektrum der Patienten, die für eine MRT-Untersuchung infrage kommen. Wie bei der Reduktion der Rescans bedeutet das eine Win-win- Situation: Es erhöht den Patientenkomfort und bringt uns wirtschaftliche Vorteile.

Wie sehen Sie die beiden Systeme in puncto Effizienz?

Güttler: Unser Ziel ist es, MRT-Untersuchungen kurzfristig à jour anbieten zu können und mehr Patienten in der gleichen Zeit zu untersuchen. Die neuen MRT verfügen über viele Funktionen, die einen direkten Gewinn an Prozesszeit bedeuten. Das reicht von der elektrischen Motorisierung der Patiententische mit eDrive über BioMatrix bis zu den GO-Technologien. Wir haben die neuen technischen Möglichkeiten in einem Simulationsmodell, dem digitalen Zwilling unserer Radiologie, mit sehr umfangreichen Betriebsdaten analysiert. Bei unserem Patientenklientel und dem bestehenden Anforderungsverhalten erwarten wir eine Ersparnis von mindestens 15 Prozent bei der Gesamtdauer unserer MRT-Untersuchungen. Dies wirkt sich auch positiv auf die Liegezeiten aus. Somit verbessern wir mit den neuen Geräten den qualitativen und quantitativen Umfang unseres Angebots und die Erlöse.

Was sind Ihre Erwartungen bezüglich der BioMatrix-Technologie?

Teichgräber: Wir bewegen uns in Richtung individualisierter Medizin und ich denke, dass uns beide Systeme helfen werden, diesen Ansatz in die klinische Routine zu integrieren. Wir sind gespannt, was wir damit alles für das Volumen unseres Hauses mit fast 1.400 Betten erreichen können. Ich verspreche mir unter anderem eine größere Rolle der MRT in der onkologischen Bildgebung, etwa bei der Bewertung des Therapieansprechens. Oder bei der Leberdiagnostik, bei der die MRT wichtige zusätzliche Informationen liefern kann.

Prof. Dr. med. Ulf TeichgräberLeiter des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Jena

Was bedeuten die neuen Systeme für mögliche Kooperationen im Haus?

Güttler: Wir haben eine Reihe von interdisziplinären Themen im Blick. Mit dem MAGNETOM Sola und dem MAGNETOM Vida bieten wir dafür eine ideale Infrastruktur. Entsprechend hoch ist das Interesse, etwa in der Kardiologie, die sehr am Herzschlagsensor interessiert ist. Auch im Bereich der interventionellen Echtzeit- MRT bestehen interdisziplinäre Kooperationen.

Felix Güttlerkaufmännisch-technischer Leiter des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Jena

Herr Professor Teichgräber, Herr Güttler, vielen Dank für das Gespräch.