Qualifizierte Hilfe aus der Ferne

01.06.2021
Im Radiologischen Zentrum in Höchstadt an der Aisch spürte man den aktuellen MTRA-Mangel besonders stark. Doch mit WeScan, einem neuen Remote Scanning Service von Siemens Healthineers konnte die Praxis das Problem der Personalengpässe beseitigen und die Untersuchungszeiten für die MRT-Diagnostik dauerhaft ausweiten. In Zukunft soll mit Hilfe von WeScan auch das Untersuchungsportfolio ergänzt und die Einarbeitung neuer Teammitglieder erleichtert werden.
Der Mangel an Medizinisch-Technischen Radiologieassistenten (MTRAs) bereitet vielen Radiologen Kopfzerbrechen. Laut Angaben des deutschen Krankenhausinstituts sind aktuell in Deutschland über 800 MTRA-Stellen unbesetzt, Tendenz steigend. Die Probleme, die dadurch gerade für niedergelassene Radiologen entstehen, kennt Dr. med. Norbert Wilke vom Radiologischen Zentrum in Höchstadt an der Aisch nur zu gut: „Wir haben unsere Praxis im ländlichen Bereich. Da ist es besonders schwierig, MTRAs zu rekrutieren. Auch Honorarkräfte sind bei Krankheitsausfällen oder für Urlaubszeiten kaum zu bekommen.“ Verschärfend kommt hinzu, dass viele MTRAs als Teilzeitkräfte arbeiten möchten und es zunehmend schwieriger wird, Schichtpläne sinnvoll zu besetzen. Eine weitere Herausforderung für Radiologen ist, das Leistungsniveau der MTRAs auf einem hohen Level zu halten, damit jederzeit eine hochwertige Untersuchungsqualität gewährleistet werden kann.

Eine innovative Lösung für dieses Problem bot sich für Dr. Wilke und sein Team durch WeScan, einen Remote Scanning Service von Siemens Healthineers, bei dem sich zertifizierte MTRAs via Fernzugriff auf MRT-Scanner des Kunden aufschalten und die Untersuchungen per Remote durchführen, während sich eingewiesene Medizinische Fachangestellte (MFAs) vor Ort um die Patienten kümmern. Seit Dezember 2020 testet die Praxis in der Nähe von Erlangen WeScan im Rahmen eines Pilotprojekts – und die Ergebnisse können sich sehen lassen. An drei Tagen die Woche konnten die Zeiten für nicht kontrastverstärkte MRT-Untersuchungen bis 18 Uhr ausgeweitet und auch Urlaubszeiten, krankheitsbedingte Ausfälle oder Engpässe aufgrund von Quarantänemaßnahmen konnten mit WeScan problemlos abgedeckt werden.
Julian Sämann
Die Installation von WeScan in der Praxis verlief reibungslos, auch die Einarbeitung der MFAs in ihre neue Tätigkeit war unproblematisch, wie Julian Sämann, MTRA im Radiologischen Zentrum betont: „Anfangs haben wir unsere MFAs mit ans System genommen und Ihnen alles gezeigt. Danach haben sie immer wieder von uns und den Remote-Kollegen Feedback bekommen, ob zum Beispiel zu hoch oder zu tief gelagert wurde. Mittlerweile wissen alle an dem Projekt beteiligten MFAs genau, was sie tun müssen, und wenn doch eine Frage auftaucht, haben sie ja immer die Möglichkeit, bei den Remote-Kollegen nachzufragen.“ Sämann hebt auch hervor, dass die MFAs durch diese Erweiterung ihrer Tätigkeit einen neuen, umfassenderen Blick für die Abläufe in der Praxis bekommen haben: „Wer eine Untersuchung schon selbst durchgeführt hat, kann auch bei der Terminvergabe besser planen, wie viel Zeit dafür nötig ist. Und natürlich können sie sich so auch weiterbilden, was ja immer eine gute Sache ist.“

Auch für die Patienten und deren Versorgung bringt WeScan große Vorteile, wie Dr. Wilke betont: „Sie freuen sich, weil sie wegen der längeren Öffnungszeiten früher zu einem Termin und leichter zu ihrem Wunschtermin kommen, auch später am Nachmittag oder am Abend.“ Hinzu kommt eine entspannte Untersuchungsatmosphäre, weil das Praxisteam weniger im Stress ist und sich intensiver um die Patienten kümmern kann.
Für Dr. Wilke zahlt sich WeScan mehr als aus, wie der Radiologe vorrechnet: „Im Zweischichtbetrieb können wir jetzt pro System durchschnittlich 30 Untersuchungen pro Tag fahren. Vorher fielen etwa zehn GKV-Routineuntersuchungen à 15 Minuten aus.“ Angesichts der positiven Erfahrungen aus dem Pilotprojekt denkt Dr. Wilke darüber nach, die Nutzung von WeScan noch auszuweiten: „Wir haben eigentlich die Nachfrage, um jeden Tag zehn bis zwölf Stunden lang MRT-Untersuchungen durchzuführen. Deshalb können wir uns durchaus vorstellen, WeScan in Zukunft täglich zu nutzen, wenn der Service voll etabliert ist.“
Dr. med. Norbert Wilke
Neben dem Remote Scanning Service bietet WeScan noch ein weiteres Angebot: Mit WeScan Coaching können sich MTRAs am eigenen System während ihrer täglichen MRT-Routine weiterbilden – etwa wenn komplexe oder selten durchgeführte Untersuchungen wie Kardio-MRTs oder angiographische Ganzkörperuntersuchungen anstehen. Dr. Wilke sieht dadurch viele Vorteile für die Einarbeitung neuer Teammitglieder und die Erweiterung des Untersuchungsportfolios: „Für unsere Praxis und unsere Kooperationspartner ist es wichtig, dass wir auch diese spezielleren Untersuchungen, die über die GKV-Routine hinausgehen, in großer Breite anbieten können. Es hilft einem ja nichts, wenn man die Geräte hat, mit denen man diese Untersuchungen durchführen kann, aber die Expertise fehlt, sie entsprechend anzuwenden.“
Sowohl der Radiologe als auch der MTRA ziehen nach drei Monaten ein durchweg positives Fazit. „Ich habe nur gute Erfahrungen mit WeScan gemacht und kann es daher jedem empfehlen,“ betont Sämann, und sein Chef fügt hinzu: „Unsere Erwartungen an WeScan als Lösung für Personalengpässe haben sich absolut erfüllt. Wir konnten damit unsere Untersuchungszeiten deutlich erweitern und zugleich Personalausfälle kompensieren. Gerade für kleinere Praxen, die fehlende Kräfte nicht über ein großes Team ausgleichen können, ist das ideal.“

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