Radiologie – Digitalisierung – Künstliche Intelligenz

Evolution oder Revolution?

Wie sich der Radiologiemarkt in Deutschland wandelt.

10.01.2022
Das Gesundheitswesen ist im stetigen Wandel – besonders die digitale Transformation wird durch die Corona-Pandemie beschleunigt. Aber auch die Versorgungsstruktur radiologischer Leistungen verändert sich in Deutschland mit zunehmender Geschwindigkeit: Die Zahl von Praxen, die in radiologischen Verbünden organisiert sind, wächst stetig. Von dieser Entwicklung profitieren sowohl Patient*innen, als auch Praxen und Mitarbeitende.

Zwei der größten radiologischen Verbünde Deutschlands sprachen mit Siemens Healthineers über die Herausforderungen und Chancen radiologischer Verbünde im deutschen Gesundheitswesen. Die Radprax-Gruppe aus Wuppertal erbringt deutschlandweit mit rund 450 Mitarbeitenden an 13 Standorten radiologische Leistungen. Die Meine Radiologie Holding (MRH) mit Sitz in Frankfurt versorgt ihre Patient*innen mit mehr als 700 Mitarbeitenden in 37 medizinischen Versorgungszentren.

In Deutschland gibt es rund eintausend radiologische Praxen, von denen etwa 350 als Einzelpraxen geführt werden1. Genauso viele Praxen sind bereits heute in großen Verbünden organisiert, Tendenz stark steigend.

Radiologie Markt – André Hoppen
André Hoppen, geschäftsführender Gesellschafter, radprax Holding
Einer der Treiber dieser Entwicklung ist die zunehmend ungünstige Vergütungssituation für radiologische Leistungen, die eine Konsolidierung des Marktes zur Folge hat und wodurch sich innerhalb der Praxen Chancen zur Effizienzsteigerung eröffnen. „Der Dreh- und Angelpunkt ist die Verschlankung der Verwaltung und das Heben von Synergien über Standortgrenzen hinweg.“, so André Hoppen, geschäftsführender Gesellschafter der radprax.
Radiologie – Dr. Till Diergarten
Dr. Till Diergarten, Facharzt für Radiologie, Meine Radiologie Tuttlingen
Dr. Till Diergarten, Facharzt für Radiologie im MVZ Meine Radiologie Tuttlingen, ergänzt: „Ich glaube, dass der Radiologiemarkt den Patient*innen immer eine Variation von Möglichkeiten anbieten muss. Und das heißt, es werden kettenähnliche Strukturen mit vielen Radiolog*innen an vielen Standorten bestehen. Es wird aber auch immer einzelne Boutiquen geben mit besonderen Spezialisierungen.“
Radiologischer Verbund Meine Radiologie – Dr. Dr. Dirk Knüppel
Dr. Dr. Dirk Knüppel, CEO Meine Radiologie Holding GmbH
Auch Fusionen der radiologischen Verbünde sind für die Zukunft denkbar, so dass sich der Markt weiter konsolidieren wird. Jedoch, und das ist beiden Verbünden wichtig, darf in Deutschland kein Monopol entstehen. „Wettbewerb belebt auch das Geschäft und der Wettbewerb zeigt am Ende, was das beste Modell ist.“, so Dr. Dr. med. Dirk Knüppel, CEO der MRH. Denn letztlich ist das Ziel der Bemühungen aller Beteiligten die Verbesserung der medizinischen Versorgung in Deutschland.
„Aus medizinischer Sicht ist natürlich der Verbund wesentlich interessanter, weil dort viel mehr Wissen vorhanden ist. Wir haben über 70 Fachärztinnen und Fachärzte, die zum Teil sehr hoch auf bestimmte Fragestellungen spezialisiert sind.“, so Dr. Inga Cruse, geschäftsführende Gesellschafterin der radprax.

Auch in der Situation des Fachkräftemangels haben radiologische Verbünde die Möglichkeit eigene Konzepte zu verfolgen. Eine eigene Ausbildung von Medizinisch-technische Assistent*innen, Medizinische*r Fachangestellte*r sowie Ausbildungen in administrativen Bereichen auch in Kooperation mit externen Ausbildungsstätten gelten neben dem Einsatz von unterstützenden Technologien als Hauptschlüssel im Kampf gegen den Fachkräftemangel. Ein weiterer Vorteil: Innerhalb des breiten Expertenspektrums haben junge Arzt*innen und medizinisches Personal in Verbünden die Möglichkeit, sich einen Überblick über die Fachgebiete der Radiologie zu verschaffen und sich dann bei Bedarf weiter zu spezialisieren. Auch die Flexibilität in einem größeren Unternehmen mit verschiedenen Standorten zu arbeiten, ist ein echter Pluspunkt für eine flexible, junge Fachkräftegeneration.

Radiologie Künstliche Intelligenz– Dr. Inga Cruse
Dr. Inga Cruse, geschäftsführende Gesellschafterin, Fachärztin für Radiologie, radprax Holding
„KI wird uns helfen, die zunehmende Informationsflut besser zu bewältigen. Allerdings ist der relevante Mehrwert noch nicht erschlossen“, meint Dr. Inga Cruse. Als Radiologin und Mitglied der Geschäftsleitung von radprax bewertet sie die KI-Systeme als noch nicht verlässlich genug – noch sei der Radiologe besser als der Computer. Gelebter Alltag ist bereits heute die unterstützende Nutzung computerbasierter Systeme in der Befundung. Mit KI-gestützten Algorithmen dient beispielsweise der AI-Rad Companion von Siemens Healthineers zur Entscheidungsunterstützung durch eine automatische farbliche Hervorhebung möglicher Auffälligkeiten in den Bilddatensätzen.
Radiologie Künstliche Intelligenz – Stefan Kätzlmeier
Stefan Kätzlmeier, Leiter Diagnostic Imaging CWE, Siemens Healthineers
„Der Radiologe wird nicht durch künstliche Intelligenz ersetzt, sondern der, der künstliche Intelligenz anwendet, wird den ersetzen, der das nicht macht.“, so Stefan Kätzlmeier, Leiter Diagnostic Imaging CWE bei Siemens Healthineers. Und auch wenn dies noch in der nahen Zukunft liegen mag, so wird die digitale Vernetzung zur Optimierung von Prozessen und der Austausch von Daten über digitale Plattformen, wie beispielsweise der teamplay digital health platform connect von Siemens Healthineers, zur täglichen Routine gehören. Damit wächst aber auch die Bedeutung von Standardisierungen und Interoperabilität über Standorte und Sektoren hinweg.
Für die beiden radiologischen Verbünde können Technologiepartnerschaften ein Schlüsselelement auf dem Weg zum Erfolg sein.
Radiologie Partner radprax – Maike Steffens
Maike Steffens, geschäftsführende Gesellschafterin, radprax Holding
„Ich glaube bei Siemens Healthineers und radprax spiegelt sich vieles wider, wie wir eine Partnerschaft und Kooperation sehen. Das ist ein Geben und Nehmen auf Augenhöhe, etwa bei der Entwicklung neuer Tools. Wir formulieren unsere Bedürfnisse und proben in der Praxis, Siemens Healthineers entwickelt dadurch seine Produkte weiter, wovon auch wir profitieren.“, so Maike Steffens, geschäftsführende Gesellschafterin bei der radprax.
Und auch die Meine Radiologie Holding sieht enorme Vorteile in der Partnerschaft und formuliert seine Erwartung für die Zukunft: „Seit langer Zeit erarbeiten wir neue Lösungen für uns als Gruppe – wir wollen ja weiterwachsen. Das heißt, auch unsere Ansprüche steigen, denn wir wollen uns mit innovativen Lösungen weiter vorn am Markt positionieren. Wir bauen darauf, dass Siemens Healthineers als starker Partner weiter Innovationstreiber bleibt, zukünftige Entwicklungen antizipiert und auch seine Produkte stetig weiterentwickelt.“, ergänzt Dr. Dirk Knüppel.

So zeigt sich – gleich aus welchem Blickwinkel – Partnerschaften einzugehen bedeutet, mit einem gemeinsamen Ziel zusammenzuarbeiten, sich auszutauschen und aus den Erkenntnissen gemeinsame Strategien zu entwickeln, von denen alle Seiten profitieren. Es gilt, Verbünde, Praxen und Patient*innen im Blick zu behalten, den Motor für Veränderungen zu verstehen und sich vorausschauend an das Marktgeschehen anzupassen. Chancen erkennen und ausbauen, Risiken minimieren und entgegenwirken – hierfür gibt es nicht die eine Lösung. Nur eine vertrauensvolle Partnerschaft aus Dienstleister und medizinischem Leistungserbringer wird die Zufriedenheit bei Patient*innen und Beschäftigten gleichermaßen stärken und für wirtschaftliche Sicherheit sorgen.

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