Wunderwaffe PräzisionsmedizinWie Künstliche Intelligenz schon heute die radiologische Diagnostik revolutioniert

16.08.2021
Auf der Präzisionsmedizin ruhen viele Hoffnungen: Genauere Diagnosen, aber auch individuellere Therapien verspricht man sich von neuen, datenbasierten Technologien. Wie Künstliche Intelligenz (KI) und Algorithmen zu einer besseren Versorgung beitragen, zeigt sich schon heute am Städtischen Klinikum Braunschweig.
Dr. Raimar Goldschmidt
Ein Beispiel für ein solches Hilfsmittel ist eine Software, die bei der Auswertung radiologischer Befunde unterstützt: AI-Rad Companion heißt die von Siemens Healthineers entwickelte Lösung, die auf KI und Deep Learning (DL) basiert. Ob CT, MRT oder konventionelles Röntgen: Der intelligente Assistent ist anhand umfangreicher klinischer Datensätze darauf trainiert, Auffälligkeiten in den Bildern zu erkennen.

In Braunschweig ist der AI-Rad Companion Chest CT im Bereich der CT-Lungendiagnostik bereits seit Anfang des Jahres routinemäßig im Einsatz. „Die neuartigen KI-basierten Algorithmen weisen die Radiologen auf Anomalien hin. So erkennt und markiert die Software Lungenknoten und berechnet automatisch das Volumen, den Durchmesser und die Tumorlast“, berichtet Dr. Goldschmidt. „Der Arzt kann damit die Bilder schneller und präziser befunden als bisher.“
Klar sei allerdings auch, dass die ärztliche Expertise des Arztes weiterhin notwendig bleibe: Schließlich müssten die Vorschläge verifiziert und Ableitungen daraus durchgeführt werden. „Der Radiologe ist weiterhin verantwortlich für die schlussendliche Befundung. Er erhält jedoch durch die Software eine Unterstützung, die ihm den Alltag erleichtert.“ Die Abläufe werden also beschleunigt, ohne dass die Qualität leidet. Stattdessen werde sogar eine höhere Qualitätsstufe erreicht. „In der Vergangenheit musste der Radiologe die Bilder ohne Unterstützung mit dem bloßen Auge inspizieren. Hier können Fehler passieren, insbesondere dann, wenn Zeitdruck im Spiel ist.“ Die intelligente Software gebe nun den entscheidenden Hinweis, wenn doch noch einmal genauer hingeschaut werden solle.

Mit steigenden Patientenzahlen und wachsendem Effizienzdruck sehen sich die deutschen Krankenhäuser zunehmend mit einer Situation konfrontiert, die neue Wege erforderlich macht. Technologische Entwicklungen wie der AI-Rad Companion sollen hier Hilfestellung bieten, um Routineabläufe mit sich wiederholenden Aufgaben teilweise zu automatisieren. Entscheidend ist bei allen Digitalisierungsbestrebungen auch die Frage, wie sich das neue Software-System in die bestehende Infrastruktur einbetten lässt. Am Klinikum Braunschweig ließ sich der AI-Rad Companion Chest CT reibungslos in den Bildauswertungsworkflow integrieren, berichtet Dr. Goldschmidt.

Im Rahmen einer Technologiepartnerschaft mit Siemens Healthineers war im Vorfeld bereits eine cloudbasierte Plattform eingeführt worden, über die der AI-Rad Companion Chest CT unkompliziert innerhalb weniger Tage in den Einsatz kommen konnte. Von den bisherigen Erfahrungen ausgehend zeigt sich Dr. Goldschmidt vom weiteren Ausbau der Präzisionsmedizin überzeugt: „In Zusammenarbeit mit Siemens Healthineers sind wir in der Lage, Patienten modernste Diagnostik-Möglichkeiten anzubieten. Und gleichzeitig legen wir mit dieser innovativen Diagnostik die Grundlage für eine hervorragende Therapie.“