Kardiovaskuläre Krankheiten bei FrauenDas weibliche Herz - besondere Eigenschaften von kardiovaskulären Krankheiten bei Frauen

Kardiovaskuläre Krankheiten (KVK) sind weltweit die Haupttodesursache für Frauen.1 Obwohl weitgehend anerkannt wird, dass kardiovaskuläre Krankheiten die Hauptgefährdung der Frauengesundheit darstellen, besteht immer noch die falsche Auffassung, kardiovaskuläre Krankheiten träten primär bei Männern im mittleren Alter auf.

 

Zu KVK kann es bei Frauen und Männern jeglichen Alters und jeglicher Nationalität kommen. Leider sehen viele Frauen bei sich selbst kein Risiko für KVK. Diese falsche Auffassung, zusammen mit der Tatsache, dass Risikofaktoren und Symptome akuter Ereignisse sich bei Männern und Frauen oft unterscheiden, führt zu einer Unausgewogenheit bei Untersuchung, Diagnose, Behandlung und Resultaten von kardiovaskulären Krankheiten bei Frauen.

 

Women and cardiovascular disease

Was sind kardiovaskuläre Krankheiten?
Kardiovaskuläre Krankheiten (KVK) bezeichnet eine Gruppe von Störungen des Herz-Kreislauf-Systems. Zu diesen Krankheiten gehören koronare Herzkrankheit, zerebrovaskuläre Krankheiten, periphere arterielle Verschlusskrankheit, rheumatische Herzkrankheit, angeborene Herzfehler sowie tiefe Venenthrombose und Lungenembolie.

Prävalenz

  • Kardiovaskuläre Krankheiten sind in jedem hochentwickelten Land und den meisten Schwellenländern die führende Ursache für Todesfälle bei Frauen.2
  • Weltweit sterben jedes Jahr über 7 Millionen Frauen an kardiovaskulären Krankheiten.1
  • In den Vereinigten Staaten verursachen kardiovaskuläre Krankheiten nahezu einen Todesfall pro Minute - ungefähr 420'000 Frauen sterben pro Jahr.3
  • In Europa werden 52% der Todesfälle bei Frauen von kardiovaskulären Krankheiten verursacht.4
  • In Lateinamerika sind Frauen überproportional von Todesfällen betroffen, die auf kardiovaskulären Krankheiten beruhen.5
  • Herzkrankheiten und Schlaganfälle verursachen in China 43.9% der Todesfälle bei Frauen.6


Die globale Belastung durch kardiovaskuläre Krankheiten bei Frauen.

  • Kardiovaskuläre Krankheiten sind bei Frauen weltweit die führende Todesursache.7
  • Ein Drittel der Todesfälle bei Frauen geschehen aufgrund von kardiovaskulären Krankheiten.7
  • Jedes Jahr sterben weltweit 8.6 Millionen Frauen an Herzkrankheiten und Schlaganfällen.8
  • Herzkrankheiten und Schlaganfälle töten mehr Frauen als Krebs, Tuberkulose, HIV/AIDS und Malaria zusammen.8


Unterschiede bei den Geschlechtern9
Herzkrankheiten treten bei Frauen und Männern unterschiedlich auf. Es gibt mehrere besondere Unterschiede hinsichtlich Risikofaktoren, Anzeichen, Symptomen und Resultaten.

 

Bei Frauen treten die kardiovaskulären Krankheiten im Allgemeinen später im Leben auf als bei Männern. Zusätzlich haben Frauen, die in jungen Jahren einen Herzinfarkt erleiden, eine viel höhere Mortalitätsrate als Männer im gleichen Alter. Die koronare Herzkrankheit betrifft bei Frauen eher die kleinen Blutgefässe und führt so zu weniger schweren Symptomen. Die Belastung durch Gefässablagerungen scheint bei Frauen ebenfalls niedriger zu sein als bei Männern, und unterscheidet sich auch dahingehend, dass sich die Ablagerungen oft über die gesamte Arterie verteilen, anstatt sich auf einen Bereich zu konzentrieren. Das bedeutet, dass Frauen nicht selten über Brustschmerzen klagen, ohne dass eine offensichtliche obstruktive koronare Herzkrankheit vorliegt. Ausserdem leiden Frauen nach einem akuten Ereignis mehr unter körperlichen Einschränkungen, und junge Frauen oder solche im mittleren Alter zeigen im Vergleich zu Männern nach einem Herzinfarkt in höherem Masse schlechte Ergebnisse, Komplikationen und Behinderungen.
 

Prävention

Nachdem anerkannt worden war, dass bei Frauen ein erhöhtes Risiko für Tod durch Herzkrankheiten besteht, wurden Richtlinien für die Herzkrankheiten-Prävention bei Frauen erstellt. Im Jahr 2011 wurden die aktualisierten Richtlinien der Amerikanischen Herzgesellschaft veröffentlicht, die sich auf langfristige Präventionsstrategien konzentrieren. Die Empfehlungen umfassen:

  • Änderungen der Lebensweise, dazu gehört mit dem Rauchen aufzuhören und nur mässiger Alkoholkonsum.
  • Erhöhte körperliche Aktivität - mindestens 150 Min/Woche moderates Training und 75 Min/Woche intensives Training oder eine ähnliche Kombination aus Bewegungstraining mit moderater und starker Intensität.
  • Ernährung mit viel Obst und Gemüse, Vollkorn- und faserreichen Lebensmitteln und fettem Fisch; nur eingeschränkter Konsum von gesättigten Fetten, Cholesterin, Trans-Fettsäuren, Natrium und Zucker.
  • Gewichtskontrolle mittels einer ausgewogenen Balance zwischen körperlicher Aktivität und Kalorienaufnahme sowie bei Bedarf formale Verhaltensprogramme, um ein geeignetes Körpergewicht zu erhalten oder zu erreichen.
  • Einen optimalen Blutdruck von <120/80 mm Hg erhalten. Pharmakotherapie ist indiziert, wenn der Blutdruck ≥140/90 mm Hg liegt (≥130/80 mm Hg bei chronischem Nierenversagen und Diabetes mellitus)
  • Durch Lifestyle-Strategien gesunde Lipidwerte erhalten: LDL-C <100 mg/dL, HDL-C >50 mg/dL, Tiglyzride <150 mg/dL und nicht-HDL-C (Gesamtcholesterin minus HDL) <130 mg/dL. Bei Frauen mit KHK wird gleichzeitig zu Lifestyle-Therapien eine Therapie mit LDL-C–senkenden Arzneimitteln empfohlen, um einen LDL-C <100 mg/dL zu erreichen. Bei Frauen >60 Jahren mit einem geschätzten KHK-Risiko von >10% können Statine erwogen werden, wenn der hsCRP nach Anpassung der Lebensweise über 2 mg/dL liegt und kein akuter Entzündungsprozess vorliegt.
  • Pharmakotherapien und Anpassung der Lebensweise kann bei Frauen mit Diabetes mellitus nützlich sein, um einen HbA1C <7% zu erreichen, wenn dies ohne eine signifikante Hypoglykämie durchführbar ist.
  • Unabhängig vom Status der kardiovaskulären Erkrankung, sollte die routinemässige Anwendung von niedrig dosiertem Aspirin bei Frauen im Alter von 65 Jahren oder älter nur erwogen werden, wenn der Nutzen voraussichtlich die Risiken überwiegt.

Risikofaktoren

Während Risikofaktoren11 für kardiovaskuläre Krankheiten bei Frauen und Männer gleich sind, gibt es einige Risiken, die für Frauen höher sind oder eine höhere Prävalenz haben als bei Männern. Zusätzlich gibt es einige besondere Risikofaktoren für kardiovaskuläre Krankheiten bei Frauen.

 

Risikofaktoren, die bei Männern und Frauen gleich sind:

Nicht modifizierbare Risikofaktoren

  • Zunehmendes Alter
  • Familiengeschichte
  • Ethnische Zugehörigkeit

Modifizierbare Risikofaktoren

  • Hoher Blutdruck
  • Hoher Gesamtcholesterinwert
  • Niedriges HDL-Cholesterin
  • Kombinierte Hyperlipidämie
  • Ungesunde Ernährung
  • Unzureichende körperliche Aktivität
  • Stress

Risikofaktoren, die bei Frauen höher sind oder eine grössere Prävalenz zeigen als bei Männern:

Nicht modifizierbare Risikofaktoren

  • Zunehmendes Alter
  • Familiengeschichte
  • Ethnische Zugehörigkeit
     

Modifizierbare Risikofaktoren

  • Hoher Blutdruck
  • Hoher Gesamtcholesterinwert
  • Niedriges HDL-Cholesterin
     

Besondere Risikofaktoren für kardiovaskuläre Krankheiten bei Frauen sind:

  • Anwendung von oralen Kontrazeptiva
  • Hormonersatztherapie
  • Polyzystisches Ovarialsyndrom

Resultate für Frauen nach einem Herzinfarkt
Herzinfarkte treten sowohl bei Männern als auch bei Frauen auf, wobei das Risiko einer Frau einen Herzinfarkt zu erleiden nach der Menopause deutlich zunimmt. Leider ist die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen einen Herzinfarkt überleben geringer als bei Männern. Daten der Amerikanischen Herzgesellschaft zeigen, dass mehr Frauen als Männer:

  • innerhalb des ersten Jahres nach einem Herzinfarkt sterben.
  • innerhalb der ersten fünf Jahre nach einem Herzinfarkt einen erneuten Herzinfarkt oder eine tödliche koronare Herzkrankheit erleiden.
  • innerhalb der ersten fünf Jahre nach einem Herzinfarkt eine Herzinsuffizienz entwickeln.
  • innerhalb der ersten fünf Jahre nach einem Herzinfarkt einen Schlaganfall erleiden.12

Zusätzlich zu diesen Daten, besteht für jüngere Frauen, die einen Herzinfarkt hatten, eine höhere Mortalität als bei Männern im gleichen Alter, auch wenn die Frauen normalerweise weniger schwere Gefässverengungen, leichtere Herzinfarkte und eine besser erhaltene Herzfunktion aufweisen.13 Junge Frauen oder solche im mittleren Alter weisen hinsichtlich unerwünschten Resultaten, Komplikationen und Behinderungen als Folge eines Herzinfarkts oder ACS höhere Raten auf als Männer.13

Die Amerikanische Herzgesellschaft gibt ausserdem an, dass Frauen im Vergleich zu Männern mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit aggressive Diagnosen und Behandlungen bei kardiovaskulären Herzkrankheiten erhalten. Frauen erhalten auch weniger interventionelle Behandlungen, mit und ohne Platzierung eines Stents, als Männer (nur 34% für Frauen).3
 

Symptome

Unterschiede beim Auftreten eines Herzinfarkts
Bei Frauen und Männern kann es zwischen Leben und Tod entscheiden, wenn die Symptome eines Herzinfarkts bekannt sind und entsprechend darauf reagiert wird. Viele Frauen erkennen die bei ihnen häufige auftretenden atypischen Symptome eines Herzinfarkts nicht oder missdeuten sie als Symptome einer anderen nicht lebensbedrohlichen Krankheit. Auch wenn die typischen Schmerzen, der Druck und die Beschwerden in der Brust bei beiden Geschlechtern auftreten, scheint dies bei Frauen weniger häufig zu sein als bei Männern. Frauen zeigen oft andere Symptome als Schmerzen in der Brust.

Herzinfarktsymptome bei Frauen
Die häufigsten Herzinfarktsymptome sind (häufig sowohl bei Frauen als auch bei Männern):14

  • Beschwerden oder Schmerzen in der Brust
  • Beschwerden oder Schmerzen in der linken Schulter, Armen, Ellbogen, Rücken oder Kiefer


Andere Herzinfarktsymptome, die häufiger bei Frauen als bei Männern auftreten:15,16

  • Kurzatmigkeit und Atembeschwerden
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Benommenheit
  • Kalter Schweiss
  • Appetitverlust/Sodbrennen
  • Schwäche oder ungewöhnliche/unerklärbare Erschöpfung
  • Herzflattern
  • Husten

Lösungen

Kardiovaskuläre Krankheiten kann man grösstenteils verhindern, und mit einfachen Bluttests kann das persönliche Risiko ermittelt werden. Bluttests, die häufig bei der Risikoermittlung für kardiovaskuläre Krankheiten angewendet werden:

  • Apolipoprotein A1
  • Apolipoprotein B
  • BNP/NT-proBNP
  • Fibrinogen
  • HDL-Cholesterin
  • Homocystein
  • hsCRP
  • Interleukin-6
  • LDL-Cholesterin
  • Lipoprotein (a)
  • Myeloperoxidase
  • Gesamtcholesterin
  • Troponin I

Um die Belastung durch kardiovaskuläre Krankheiten bei Frauen zu reduzieren, bedarf es folgendes:

  • Kenntnis der Risikofaktoren
  • Schnelle, exakte Diagnosen, wenn Symptome auftreten
  • Einführung geeigneter Therapien
  • Therapiemonitoring


Diagnostiktests im Labor spielen bei der Betreuung von Frauen im weiteren Verlauf der kardiovaskulären Krankheit und ihres Lebens eine wesentliche Rolle.

Als integriertes Diagnostikunternehmen unterstützt Siemens die gesamte kardiovaskuläre Betreuung mit umfassenden Lösungen für Risikoermittlung und frühe Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge. Zusätzlich unterstützen unsere IT-Lösungen für den Gesundheitsbereich den Datenaustausch, um informierte Entscheidungen treffen zu können.
 


 

Andere Siemens-Systeme

Akutpflege

BNP

    X

 

 

    X*

    X

 

 

 

CKMB (Masse)

    X

    X

    X

    X

    X

    X

    X

    X

D-Dimer

    X*

 

 

 

 

    X

    X

    X

Galektin-3

    X*

 

 

 

 

 

 

 

Myoglobin

    X

    X

    X

    X

    X

    X

    X

    X

NT-proBNP

    X*

 

    X

    X

    X

    X

    X

    X

Troponin I

    X

 

    X

    X

    X

    X

    X

    X

Komorbiditäten

Cystatin C

 

    X

 

 

    X

 

 

    X

Glukose

 

    X

    X

    X

    X

 

 

    X

Hämoglobin A1c

 

    X

    X

    X

    X

 

 

    X

Mikroalbumin

 

    X

    X

    X

    X

    X

 

    X

Risikountersuchung

Apolipoprotein A-1

 

    X

 

 

    X

 

 

    X

Apolipoprotein B

 

    X

 

 

    X

 

 

    X

BNP

    X

 

 

    X*

    X

 

 

 

Fibrinogen

 

 

 

 

 

 

 

    X

HDL-Cholesterin

 

    X

    X

    X

    X

 

 

 

Homocystein

    X

 

 

 

    X

    X

 

    X

hsCRP

 

    X

    X

    X

    X

    X

    X

    X

Interleukin-6

 

 

 

 

 

    X

 

 

LDL-Cholesterin

 

    X

    X

    X

    X

 

 

 

Lipoprotein(a)

 

    X

 

 

 

 

 

    X

Myeloperoxidase  

 

 

    X

 

 

 

 

 

NT-proBNP

    X*

 

    X

    X

    X

    X

    X

    X

Gesamtcholesterin

 

    X

    X

    X

    X

 

 

 

Triglyzeride

 

    X

    X

    X

    X

 

 

 

Troponin I

    X

 

    X

    X

    X

    X

    X

    X

Therapiemonitoring

Anti-Xa

 

 

 

 

 

 

 

    X

aPTT

 

 

 

 

 

 

 

    X

Thrombozytenfunktion

 

 

 

 

 

 

 

    X

PT

 

 

 

 

 

 

 

    X

Thrombinzeit

 

 

 

 

 

 

 

    X

1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16