Mehr Team-Spirit durch RobotikCorindus CorPath GRX am Universitätsklinikum Freiburg

07.10.2021
Seit einigen Monaten lassen sich die Kardiologen am Herzzentrum Freiburg – Bad Krozingen (Universitätsklinikum Freiburg) im Katheterlabor von einem Roboter unterstützen. Das erlaubt hochpräzise Eingriffe bei optimalem Interventionskomfort – und es ist ein Turbolader für den Teamgeist.
Roboterarme, die bei perkutanen Interventionen an den Herzkranzgefäßen (PCI) unterstützen? In der Abteilung von Prof. Dr. Constantin von zur Mühlen, Leiter Interventionelle Kardiologie am Universitätsklinikum Freiburg, ist das keine Zukunftsvision mehr. Ende April 2021 wurde dort das robotische Corindus-System von Siemens Healthineers in Betrieb genommen – und seither steht es immer häufiger mit am Kathetertisch. „Der komplexeste Fall bisher war eine sehr stark verkalkte Vorderwandarterie, die mehrere Stenosen hatte, eine De-novo-Stenose proximal und eine In-Stent-Restenose weiter distal“, berichtet von zur Mühlen. Mittels optischer Kohärenztomographie (OCT) wurde die Gefäßsituation exakt ausgemessen: „Wir haben dann einen Lithotripsie-Ballon robotergesteuert über beide Stenosen geführt, konnten erfolgreich behandeln und die Stenosen danach mit Stents neu versorgen.“
Prof. Dr. Constantin von zur Mühlen
Prof. Dr. Constantin von zur Mühlen sieht mehrere Vorteile in der robotischen PCI.
Das Beispiel zeigt, dass mit einem robotischen Setting sehr komplexe, langwierige Eingriffe erfolgreich durchgeführt werden können. Drei Monate nach Installation des Systems ist von zur Mühlen aber vor allem auch von den robotischen Standardeingriffen angetan: „Routinemäßige Engstellen, die gerne verkalkt sein können oder Probleme nach sich ziehen, wie eine neue Stenose proximal des implantierten Stents, sind super geeignet für die Robotik. Das ist auch ein Großteil der Interventionen, die wir heute machen.“
Der Kardiologe sieht gleich mehrere Vorteile der robotischen PCI – und zwar sowohl auf Seiten der Patient*innen als auch auf Seiten des interventionell tätigen medizinischen Personals. Aus Patient*innensicht nennt er vor allem die hohe Genauigkeit, die die robotische Unterstützung bringt: „Wir können ganz präzise die Drähte, die Ballons und die Stents steuern. Wir können genau ausmessen, wie lang eine Läsion ist und wie lang ein Stent sein muss.“ Die robotische Unterstützung vermeide Messfehler und ermögliche eine individuelle, maßgeschneiderte Planung der Implantation des Stents. Günstig sei nicht zuletzt, dass sich Stents oder Ballons in kleinsten Schritten manövrieren ließen: „Wir können die Dinger wirklich präzise einparken, wenn ich das mal so sagen darf.“

Technikalgorithmen, die das robotische System mitbringt, unterstützen das präzise Arbeiten. Besonders bewährt hat sich in Freiburg laut von zur Mühlen das Rotate-on-Retract-Feature des Roboters, das regelmäßig genutzt wird. Es bewirkt, dass sich der Draht beim Zurückziehen immer um einige wenige Grad dreht, bevor er erneut vorgeschoben wird: „So kann man sehr systematisch ein Gefäß abtasten, um Seitenäste und komplexe Anatomien schneller sondieren zu können.“
Strahlengeschützter Arbeitsplatz
Prof. Dr. Constantin von zur Mühlen sitzt während des Eingriffs außerhalb des Interventionsraums.
Auf Personalseite hebt der Kardiologe die geringere Strahlenbelastung und die Verringerung orthopädischer Probleme durch das robotische System hervor. Denn beim CorPath GRX sitzen jene, die das System steuern, an einer Konsole hinter Strahlenschutzglas außerhalb des eigentlichen Interventionsraums – und müssen dort keine Röntgenschürze tragen: „Wer zehn Stunden am Tag acht Kilogramm Röntgenschutz trägt, der merkt das am Abend, und er entwickelt über die Jahre Rückenprobleme“, so von zur Mühlen.
Bei der Strahlenexposition erinnert der Kardiologe an die höhere Inzidenz von strahlenbedingten Trübungen der Augenlinse bei interventionell tätigen Ärzt*innen. Viel seltener, aber im Einzelfall dramatisch sind Hirntumoren der linken Hemisphäre: „Das ist für uns interventionell tätige Ärzte ein hochemotionales Thema.“ Daher sei es sehr beruhigend, dass gerade bei Routineeingriffen mit dem robotischen System die Strahlenexposition für das Personal gesenkt werden könne.

Von zur Mühlen denkt beim Thema Gesundheitsrisiken im Herzkatheterlabor auch an den Nachwuchs. Der ist in allen radiologisch-interventionellen Disziplinen dünn gesät – aber das könnte sich ändern, wenn sich die Arbeitsbedingungen verbessern: „Die Leute, die wir jetzt ausbilden, sehen, wie man eine Herzkatheteruntersuchung auch anders machen kann, nämlich ferngesteuert von außen. Das bietet natürlich ganz neue Aspekte und macht den Beruf dadurch vielleicht auch noch etwas attraktiver.“
John Lautenschläger, Stationsleiter am Universitätsklinikum Freiburg
John Lautenschläger sieht ebenfalls Vorteile beim Einsatz des Robotersystems.
Positive Auswirkungen auf das Arbeitsumfeld sieht auch John Lautenschläger, Stationsleiter in Freiburg, und zwar auf der Ebene des Assistenzpersonals: „Durch die Robotik wird es insgesamt attraktiver. Nicht jedes Haus hat das zu bieten, es schafft neue Fähigkeiten bei einem selbst.“ Es geht Lautenschläger aber nicht nur um das zusätzliche Know-how, das beim Assistenzpersonal nötig ist. Er sieht auch positive Effekte auf die Team-Arbeit im Katheterlabor: „Wir müssen mehr miteinander kommunizieren. Wenn der Oberarzt nicht selbst im Labor ist, ist es wichtig, dass wir genau und intensiv miteinander sprechen.“
Effiziente Kommunikation über Headsets
Das Team von Prof. Dr. von zur Mühlen kommuniziert während Eingriffen via Headset.
Von zur Mühlen sieht das ähnlich: „Die Robotik ändert auf jeden Fall den Team-Ansatz und betont ihn.“ Das kooperative Arbeiten über Zimmergrenzen hinweg erfordere, dass leise und koordiniert kommuniziert werde. In Freiburg wurden dazu Headsets angeschafft, die eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre in der Kleingruppe des interventionellen Teams schaffen: „Das gibt nochmal einen ganz anderen Team-Spirit, und es macht unheimlich viel Spaß.“
Das Ende der Fahnenstange in Sachen Robotik im Katheterlabor sieht von zur Mühlen noch längst nicht erreicht. Er erwartet, dass sich die robotischen Systeme mittelfristig als ein Standardwerkzeug im interventionell-kardiologischen Alltag etablieren werden: „Die Zukunft stelle ich mir so vor, dass die Robotik eine Routinetechnik wird, die wir schnell anwenden und dazuschalten können, wenn wir eine geeignete Anatomie haben. Am Ende profitieren davon Personal und Patient.“
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